Ohne Bausünden weiter wachsen?

Der Bauausschuss verabschiedete gestern das Konzept zur Innenverdichtung in Rastede, Hahn-Lehmden und Wahnbek. Die Verwaltung hatte vorab die von Bürgerinnen und Bürgern abgegebenen Stellungnahmen erläutert. Einige Anregungen wurden in den Plan aufgenommen.

Von Britta Lübbers

„Wir wohnen seit 2005 am Hirschtorweg und haben einen tollen Garten angelegt (…). Sollte eine Hintergrundbebauung nun möglich werden, würde die Flora und Fauna kaum noch Lebensraum haben“, schreibt Bürger 21 in seiner Stellungnahme. „Grundsätzlich finde ich die Idee, nicht genutzte städtische Grundstücke zur Bebauung freizugeben, sehr sinnvoll (…). Jedoch befürchte ich einen ähnlichen Trend wie in Oldenburg: Ältere Wohnhäuser werden abgerissen, damit namhafte Wohnungsbaugesellschaften mehrstöckige Mehrfamilienhäuser darauf errichten können und Hintergrundstücke werden in zweiter, dritter oder vierter Reihe bebaut“, mahnt Bürger 25. „Die Grünfläche Butjadinger Straße/Ecke Schulstraße, der ein größeres Verdichtungspotenzial zugemutet wird, muss aus städtebaulichen Gründen unbedingt erhalten bleiben“, betont Bürger 31.

Dies sind nur drei Beispiele von insgesamt 35 Stellungnahmen zur Hintergrundbebauung in der Gemeinde Rastede. Im Februar war der Entwurf öffentlich vorgestellt worden. Im Anschluss konnten die Bürgerinnen und Bürger ihre Stellungnahmen abgeben.

Drei Verdichtungszonen wurden definiert: Die Zone 1 (rot) hat die höchste Baudichte. Hier sollen maximal zwei Staffelgeschosse zulässig sein. In der Zone 2 (blau) soll eine mittlere Verdichtung realisiert werden. Erlaubt sind maximal zwei Vollgeschosse ohne Staffelgeschoss. Die Zone 3 (grün) weist die geringste Verdichtung auf und entspricht der Bebauung in klassischen Wohngebieten mit Einfamilien- und Doppelhäusern. Zulässig ist maximal ein Vollgeschoss.

Was pragmatisch klingt, ist aber auch eine Herausforderung, denn die Bebauung auf dicht besiedelter Fläche soll ohne Bausünden verwirklicht werden. Vor denen haben, so zeigen die Stellungnahmen, die Bürger durchaus Angst. Neben der Sorge um den Grünflächenverbrauch ist es z.B. auch die Furcht vor Schattenwurf und eingeschränkten Sichtverhältnissen durch „überdimensionierte Bauvorhaben“, die Anwohner skeptisch sein lässt.

„Will ich das Vorhandene schützen, oder möchte ich Neues zulassen?“, diese – fast philosophische Frage – warf Tabea Triebe vom Geschäftsbereich Bauen und Verkehr auf, die das modifizierte Konzept vorstellte.

In vielen Stellungnahmen sei vorgeschlagen worden, die drei Zonen schärfer voneinander abzugrenzen, teilte Triebe mit. Nun soll die Firsthöhe in Zone 2 mit maximal 10,50 Metern deutlich hinter der zulässigen Firsthöhe in Zone 1 (13 Meter) zurückbleiben.

Was die Zonierung betrifft, wurden teils neue Einordnungen vorgenommen. So wurden z.B. Flächen an der nördlichen Butjadinger Straße statt der Zone 2 (mittlere Dichte) nun der Zone 3 (geringe Dichte) zugeordnet. Die Grundstücke der nördlichen Anton-Günther-Straße hingegen kamen aus der Zone 2 in die Zone 1 (hohe Dichte). Auch die Eichendorffstraße 1-7 ist nun nicht mehr als Zone 2, sondern als Zone 1 definiert. Nachbarn wollten den Bereich als Zone 3 ausgewiesen sehen. Diesem Vorschlag folgte die Verwaltung nicht. „Es geht um Grundstücke mitten im Ort. Wenn wir hier keine Verdichtung zulassen, wo denn dann?“, stellte Tabea Triebe eine rhetorische Frage.

Das sagt die Politik

„Wir wollen unsere Gemeinde perspektivisch entwickeln, es ist gut, dass wir dies jetzt in Angriff nehmen“, erklärte Lars Krause (SPD). Der Bedarf an Wohnraum sei da, die Verwaltung habe gute Abwägungen getroffen.

Die Innenverdichtung sei nicht im stillen Kämmerlein beraten worden, man habe die Bürger mit einbezogen, stellte Hans-Dieter Röben (CDU) fest. Das Konzept sei aber kein Allheilmittel gegen Bausünden.

Er sei kein Freund der Innenverdichtung, bekräftigte erneut Eckart Roese (Grüne). „Ich sehe durchaus die Notwendigkeit, ein Konzept zu entwickeln. Aber dieses hier geht mir zu weit.“ Er wolle gewachsene Siedlungsstrukturen erhalten, betonte Roese. „Mit diesem Konzept geht das nicht.“

Gerd Langhorst (Grüne) wies darauf hin, dass es sich um einen grün-schwarzen Antrag handelt, den die Fraktion befürwortet. „Wir haben über Jahre Kritik am Flächenverbrauch geübt und uns für die Innen- vor der Außenbebauung eingesetzt. Wer keinen Flächenverbrauch will, muss diesem Konzept zustimmen.“

Rainer Zörgiebel (FFR) kritisierte, dass der vordere Bereich der Eichendorffstraße von einer blauen in eine rote Zone umgewidmet wurde. „Das wird für viele Anwohner erhebliche Nachteile mit sich bringen“, warnte er.

„Das Konzept ist sinnvoll, verträglich und sehr gut gelungen“, lobte hingegen Theo Meyer (UWG).

Es sei ein Trugschluss, dass die Gemeinde nun nicht mehr nach außen wachse, meldete sich noch einmal Eckart Roese zu Wort. „Und wir erhöhen zugleich den Druck auf die Ortsteile.“

Gegen die Stimmen von Roese und Zörgiebel wurde das Konzept angenommen.

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