Ein Botschafter auf vier Rädern

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„Mit dem Käfer um die Ostsee“: Multimedia-Vortrag von Reisejournalist und Fotograf Maik Günther im Palais

Von Ursula von Malleck

Der „Goldene Salon“ im Palais war bis auf den letzten Platz besetzt. Alle wollten die multimedial aufbereitete Essenz einer außergewöhnlichen Reise miterleben, die der Reisejournalist und Fotograf Maik Günther aus Oldenburg im Palais präsentierte. Als Botschafter für den Gedanken „Europa“, dessen Verwirklichung heute eher rückläufig ist, reiste er im Sommer 2017 vorwiegend mit seiner fünfzehnjährigen Tochter Nell rund um die Ostsee. In vierunddreißig Tagen durchquerten sie neun Länder, wollten ihre Schönheiten und Menschen kennenlernen und dabei auch erfahren, was ihnen Europa bedeutet. Der Clou dabei war das Transportmittel: Maik Günthers Faltdachkäfer „Midnight“, Baujahr 1962. Ohnehin schon ein Hingucker, war er als stilvoller Botschafter zusätzlich apart mit allen Begriffen beschriftet, die der Reisejournalist mit Europa verbindet: Grenzenlos – Toleranz – Vielfalt – Menschenrechte – Demokratie – Freiheit – Sicherheit – Frieden. Ein sympathischer Anreiz für Gespräche.

Maik und Nel Günther in Klaipėda (Memel) vor der Statue „Ännchen von Tharau“ – ein Foto aufgenommen von der Dia-Schau im Palais | Foto: von Malleck

Los ging es am 13. Juli 2017 vom Oldenburger Schloßplatz. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h immer am Rande der Ostsee entlang, 6000 Kilometer nur über Landstraßen – ohne Navi, Servolenkung oder Sicherheitsgurt. Erst nach Polen, dann nach Kaliningrad/Russland. Über die Kurische Nehrung nach Litauen, Lettland und Estland, weiter nach Finnland, Schweden und Dänemark und von dort aus zurück nach Deutschland. Filmsequenzen von Fahrten durch die Landschaft oder besonderen Erlebnissen wechselten sich ab mit traumhaft schönen Bildern von Sonnenuntergängen, bemerkenswerten Gebäuden oder Natureindrücken – locker, launig, sehr informativ und persönlich kommentiert von Maik Günther. Mit Sondererlaubnis durfte „Midnight“ auf Rügen sogar auf die Seebrücke bei Binz fahren, der imposante Baumwipfelpfad bei Prora war ihm jedoch zu schwindelerregend. Ein spannendes Erlebnis war auch die Einreise nach Russland. Vier Stunden bangen, ob dem Fahrzeug mit der provokanten Beschriftung die Einreise gewährt würde – und dann die Bitte der gestrengen Zollbeamtin um ein Foto mit „Midnight“.

Der Lahemaa Nationalpark in Estland war mit seiner wunderschönen Landschaft ein besonderer Höhepunkt für Maik Günther, ebenso wie die Hauptstadt Tallinn mit ihrer zauberhaften Altstadt einerseits und ihrem – im Gegensatz zum eher national eingestellten Polen – Europa zugewandten Denken auf der anderen Seite. Im fortschrittlichen Baltikum gibt es bereits selbstfahrende Busse und kostenloses Internet für alle. Doch viele Projekte dort, wie beispielsweise der lettische Pape Naturpark mit seinen Wildpferden und Auerochsen, wären ohne EU-Fördergelder gar nicht möglich. Auch das Vater-Tochter-Verhältnis vertiefte sich während der Reise. Das nächste Projekt von Maik Günther wird eine Reise durch Großbritannien sein: „Auf den Spuren des Brexit“.

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