Schlichten statt Prozessieren

Heute wurden die bisherigen Schiedsleute der Gemeinde Rastede, Dieter Krah und sein Stellvertreter Joachim Müller, offiziell verabschiedet. Ihre Nachfolger sind Silvia Heinemann und Rainer Meining.

Von Britta Lübbers

Schiedsfrauen und Schiedsmänner leisteten einen wichtigen Beitrag zum sozialen Frieden in der Gesellschaft, betonte Bürgermeister Dieter von Essen anlässlich einer kleinen Feierstunde im Ratssaal. „Ihr Engagement ist nicht hoch genug zu bewerten“, sagte von Essen, der sich bei Dieter Krah und Joachim Müller für ihren Einsatz bedankte. Krah hatte das Amt 20 Jahre, Müller fünf Jahre ausgeübt.

Städte und Gemeinden sind gesetzlich verpflichtet, Schiedsämter einzurichten. Für die Schiedspersonen besteht Amtsverschwiegenheit und Unparteilichkeit. Es wird eine geringe Aufwandsentschädigung gezahlt. Die Schiedsverhandlungen sind nicht öffentlich und stellen eine Vorinstanz zur richterlichen Entscheidung dar. Jede gütliche Einigung, die durch eine Schiedsperson erreicht wird, entlastet die Amtsgerichte erheblich und spart hohe Kosten. Typische Streitfälle sind Nachbarschaftsdispute, Haftungsansprüche oder Mietsachen, aber auch Fälle von Beleidigung, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und leichter Körperverletzung.

Auch Jörg Sprenger, Pressesprecher beim Amtsgericht Westerstede, lobte den Einsatz der Schiedsleute, denen es zu verdanken sei, dass die Gerichte nicht noch weiter belastet würden. „Die Kritikfähigkeit innerhalb der Gesellschaft nimmt ab“, hat Sprenger festgestellt. „Auch die Fähigkeit, miteinander im Gespräch zu bleiben, wird weniger.“ Schiedspersonen aber setzten auf den Dialog. Sie sorgten dafür, dass sich Kontrahenten einigten, ohne gleich die Justiz zu bemühen.

Reinhard Kropp, Landesvorsitzender des Bundes deutscher Schiedsleute und Schiedsmann in Bad Zwischenahn, hat ebenfalls bemerkt, dass sich die Streitkultur in den vergangenen Jahren geändert hat. „Die Menschen sind nicht mehr so kompromissfähig.“ Genau hier setze die Arbeit der Schiedspersonen an.

Dieter Krah erklärte, er gebe sein Amt mit ein bisschen Wehmut ab. „Es war eine schöne, bereichernde Zeit.“ Mit rund 200 Fällen hatte Krah während seiner Ehrenamtszeit zu tun, rund 75 Prozent davon habe er erfolgreich schlichten können.

Auch Joachim Müller bedauerte seinen Rückzug. Er gibt das Amt aus Zeitgründen weiter. Vor allem die Tür- und Angelgespräche, bei denen die Kontrahenten sich direkt vor der Haustür zur Aussprache treffen, seien zeitaufwendig, aber auch sehr wirksam.

Silvia Heinemann erklärte, sie freue sich auf die neue Herausforderung. Als ehemalige Betriebsrätin bei einem Energieunternehmen habe sie viel Erfahrung mit kontroversen Diskussionen gesammelt. Jetzt, da sie im Vorruhestand ist, wolle sie sich für die Gemeinde engagieren. Das Amt der Schiedsfrau sei ein ideales Ehrenamt für sie.

Auch Rainer Meining, der in der Wirtschaft tätig war, möchte im Ruhestand etwas Sinnvolles tun. „Mein Motto ist: Redet miteinander“, betonte er. Die beiden Schiedsleute erklärten übereinstimmend, im Team arbeiten zu wollen.

Insgesamt fünf Bewerbungen für die frei werdenden Schiedsämter waren bei der Gemeinde Rastede eingegangen.

Unter folgenden Rufnummern sind die neuen Schiedspersonen zu erreichen: Silvia Heinemann, Tel. 04402 / 83649; Rainer Meining, Tel. 04402 / 1581.

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