Erinnerung an Zwangsarbeiter und Flüchtlinge

Zum Tag der „Tag der Gästeführung“ am 22. April gibt es eine Veranstaltung zur Skulptur „Displaced Persons“ beim ehemaligen Lager Hahn

Von Britta Lübbers

Als Beitrag zum „Tag der Gästeführung“, der am kommenden Sonntag, 22. April, im gesamten Oldenburger Land stattfindet, bieten die Gästeführerinnen aus Rastede eine Veranstaltung zum ehemaligen Kriegsgefangenenlager Hahn an. Sie informieren über die Geschichte des Geländes und das dort aufgestellte Mahnmal „Displaced Persons“.

Kaum noch etwas erinnerte bis zum Jahr 2010 im Ortsteil Hahn an das Lager, das hier einst stand. Bis der Rasteder Künstler Jochen Kusber, der als Junge aus Schlesien fliehen musste, die Skulptur „Displaced Persons“ schuf und sie an historischer Stätte aufstellen ließ. Kusber wollte all jenen, die hier unter teils unmenschlichen Bedingungen gelebt hatten, ein Denkmal setzen. Die hölzerne Personengruppe an der alten Lagerzufahrtsstraße gehört zum Projekt „Vergessene Orte“ des Kunstpfads Ammerland und ist den Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern, Vertriebenen und Flüchtlingen gewidmet.

Das Lager Hahn hat eine lange Geschichte, die auf begrenztem Raum die dunklen Seiten deutscher Historie spiegelt. Bereits während des Ersten Weltkriegs dienten das Gut Hahn und umliegende Ländereien als Kriegsgefangenlager. Ab 1940 waren hier Zwangsarbeiter vor allem aus Osteuropa untergebracht, die in der Gemeinde Rastede unter oft widrigen Umständen schuften mussten. Die Gräber von 191 überwiegend polnischen Kindern auf dem Friedhof in Rastede gemahnen noch heute an diese Zeit.

Insgesamt wurden während des Nationalsozialismus rund zehn Millionen Menschen gegen ihren Willen zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Die Frauen, Männer und Kinder waren in etwa 20 000 Lagern kaserniert. Das Barackenlager in Hahn war eines davon. Von hier wurden die Opfer täglich zu ihren Einsatzorten geführt. Nach Kriegsende war das Lager eine erste Anlaufstelle für deutsche Flüchtlinge und Vertriebene aus den Gebieten jenseits von Oder und Neisse. Auch sie hausten hier unter schlimmen Bedingungen, argwöhnisch als „die aus dem Osten“ beäugt und nur zögerlich integriert. Ab 1956 diente das Lager als Unterkunft für Flüchtlinge aus der DDR. Später übernahm die Bundeswehr das Gelände und unterhielt hier bis 1974 ein Magazin.

Die Jahrtausende alte Mooreiche, aus der Jochen Kusber die Figur „Displaced Persons“ herausgearbeitet hat, soll an die lange Geschichte des Missbrauchs von Macht über Menschen an diesem Ort erinnern, wie der Künstler sagt. Dem Erinnern dient auch die Führung, die unter dem Titel „Vergessene Orte – was soll uns die Skulpturengruppe Displaced Persons sagen“ an zwei Terminen stattfindet: um 14 und um 16 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich. Treffpunkt ist direkt am Mahnmal (Am Hahner Busch 30, von Rastede kommendend vor dem Schuhhaus Diers rechts in die Straße Am Sternbusch fahren, über den Bahnübergang, dann links in den Hahner Busch einbiegen).

Am „5. Erlebnis-Tag der Gästeführung im Oldenburger Land“ werden an zahlreichen Orten zwischen Wilhelmshaven und den Dammer Bergen insgesamt 41 Kurzführungen angeboten, die rund eine halbe Stunde dauern und alle unentgeltlich sind. Jede Führung findet zweimal statt, sodass die Besucher mehrere Veranstaltungen kombinieren können. Im Landkreis Cloppenburg gibt es z.B. eine Führung über den alten jüdischen Friedhof, im Kreis Oldenburg heißt es „Unterwegs mit den Malweibern in Dötlingen“ und in Oldenburg ist u.a. eine Literarische Radtour im Angebot.

Informationen unter www.kulturtourismus-ol.de.

 

 

 

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