Die Glasfronten der Cyberwelt

Heute wurde die Ausstellung „in/or/out“ im Palais Rastede eröffnet. Wolfgang Nebel hat alle gezeigten Aufnahmen mit dem Smartphone gemacht und nicht bearbeitet. Auch für Laudator Puck Steinbrecher steht fest: „Das ist ganz große Fotokunst“ – zu sehen noch bis zum 6. September.

Von Britta Lübbers

Menschen zwischen Schaufensterfiguren, gespiegelt vor oder hinter der Scheibe, schemenhafte Gestalten, die durch Wände zu gehen scheinen, Handynutzer auf Rolltreppen und in Zugabteilen, unklar konturiert: Die Ausstellung „in/or/out“ mit Fotografien von Wolfgang Nebel ist faszinierend, doppelbödig und – auch das – sie ist schön. Obwohl oder weil sie mit der Beliebigkeit der immer gleich konstruierten Metropolen-Tempel aus Stahl, Beton und Glas spielt. Sie zeigt die Austauschbarkeit von Flughäfen, Hotellobbys, Schalterhallen und Kongresszentren und dokumentiert, wie schattenhaft, ja verloren der moderne Mensch in ihnen wirkt. Ob er seine Umgebung überhaupt wahrnimmt? Wohl eher nicht, suggerieren die Aufnahmen. Denn während sich die von Nebel mit dem i-Phone abgelichteten Personen durch anonyme Räume bewegen, schauen sie wiederum selbst auf ihre mobilen Endgeräte – vielbeschäftigt, ohne zu verweilen. Anwesend und abwesend zugleich.

„Welche Rolle spielen hier die Menschen?“, fragte Puck Steinbrecher, Galerist aus Bad Zwischenahn, der die Einführung hielt. „Sind sie isoliert, ferngesteuert, real oder fiktiv?“ Dass Nebel genau dies offen lässt, mache ihn zu einem großartigen Fotografen.

Im Hauptberuf ist Wolfgang Nebel Professor für Technische Informatik an der Universität Oldenburg und Vorstandsvorsitzender des OFFIS Instituts. Seine Leidenschaft für die Fotografie entdeckte er bereits als Schüler in Bad Pyrmont. Als Mitbegründer der heute noch aktiven „foto-ag“ an der Universität Hannover setzte er sich auch mit dem Wechselspiel zwischen Architektur und Moderne in zeitgenössischen Fotografien auseinander, u.a. in seinen Schwarzweiß-Serien zu Industrieanlagen. Die Glasfronten der Cyberwelt sind eine schöne Fortführung dieses Themas.

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