Gemeinde setzt klares Zeichen gegen häusliche Gewalt

Mit einer Selbstverpflichtungserklärung will die Gemeinde Rastede zur Sensibilisierung und zum Schutz vor häuslicher Gewalt beitragen. Heute wurde die Vereinbarung im Rathaus unterschrieben. Das Datum ist bewusst gewählt: Am 25. November findet der „Aktionstag gegen häusliche Gewalt an Frauen“ statt.

Von Britta Lübbers

Bürgermeister Dieter von Essen, der Personalratsvorsitzende Hergen Wolf und die Gleichstellungsbeauftragte Anke Wilken setzten ihre Unterschrift unter das mehrseitige Papier. Anke Wilken ist seit August hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Rastede, von ihr kommt die Initiative für die Erklärung.

„Jede vierte Frau ist deutschlandweit mindestens einmal im Leben von häuslicher Gewalt betroffen“, sagt Anke Wilken und verweist auf die repräsentative Studie „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“ (2004).  Auch Männer seien Opfer häuslicher Gewalt, jedoch nicht im selben Umfang und Schweregrad.

Bei den körperlichen Angriffen handelt es sich um ein breites Spektrum, es reicht vom Ohrfeigen bis zum Schlagen mit Gegenständen und Gewaltanwendung mit Waffen. Hinzu kommen psychische und sexuelle sowie ökonomische Gewalt. Im Jahr 2015 hat die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) das Ausmaß bestätigt. Bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung in Partnerschaften sind die Opfer zu fast 100 Prozent weiblich, bei Stalking und Bedrohung sind es fast 90 Prozent. „Frauen werden keineswegs nur in sozialen Brennpunkten von ihren männlichen Partnern geschlagen, vergewaltigt, beschimpft und gedemütigt“, betont Anke Wilken. „Die Studie ,Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen‘ von 2009 belegt, dass auch Frauen in mittleren und hohen Bildungs- und Sozialschichten in einem viel größeren Maß Opfer von Gewalt werden, als dies bisher bekannt war.“

Die Auswirkungen von häuslicher Gewalt spüren auch Unternehmen und Verwaltungen, so Wilken weiter. „Die Frauen melden sich häufiger krank, sie fallen unter Umständen lange aus.“ Stalking-Opfer werden auch am Arbeitsplatz behelligt, z.B. durch unerwünschte Anrufe und E-Mails und sogar durch Besuche des Täters. „Häusliche Gewalt ist keine Privatangelegenheit“, unterstreicht die Gleichstellungsbeauftragte. Das sehen inzwischen auch viele Arbeitgeber und bieten ihren Beschäftigten im Fall von häuslicher Gewalt Schutz und Unterstützung an. So auch die Kommunalverwaltung der Gemeinde Rastede. Sie möchte mit der Selbstverpflichtungserklärung einen Beitrag zur Sensibilisierung und Enttabuisierung von häuslicher Gewalt leisten. „Ich hatte sofort ein offenes Ohr für dieses Anliegen“, sagt Bürgermeister Dieter von Essen. „Wir wollen das Thema in die Öffentlichkeit bringen und konkrete Hilfen anbieten.“ Betroffene können sich jederzeit an die Gleichstellungsbeauftragte oder den Personalrat wenden. „Selbstverständlich wird die Schweigepflicht gewahrt“, erklärt Anke Wilken. „Wir unterstützen die Frauen, die sich an uns wenden, aktiv und helfen bei jedem weiteren Schritt.“ Dazu zählen z.B. individuelle Schutzmöglichkeiten am Arbeitsplatz und eine bedarfsorientierte Arbeitsplanung, die den Frauen die Möglichkeit gibt, notwendige medizinische, beratende und rechtliche Hilfe zu erhalten.

Die Gleichstellungsbeauftragte kooperiert zudem mit verschiedenen Partnern, z.B. der „Beratungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt“ (BISS). Anke Wilken kann Kontakte vermitteln und Wege aufzeigen, wie der Kreislauf von Scham und Schweigen durchbrochen wird. Das gilt nicht nur für Beschäftigte der Gemeinde, sondern für alle Rasteder Bürgerinnen.

Lesen Sie den ganzen Text in unserer Dezember-Ausgabe.

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