Troll-Alarm

Was für ein Theater: Die Absolventinnen der Ausbildung „Spiel und Theaterpädagogik/Playing Arts“ überzeugten mit ihrem Stück „Zottelhaube“ auf ganzer Linie

Von Britta Lübbers

Dass sie in den knapp zwei Jahren ihrer Ausbildung alles Nötige gelernt haben, um innerhalb kürzester Zeit mitreißendes Theater zu machen, das stellten die Teilnehmerinnen mit Phantasie und Spielfreude im Oldenburger Theater Wrede unter Beweis. Hier fand gestern die Abschlusspräsentation statt.

Die Ausbildung ist eine Kooperation des Ev. Bildungshauses Rastede und der Ev.-Luth. Kirche Oldenburg und steht unter der Regie von Heike Scharf und Uwe Fischer, die von externen Referenten unterstützt werden.

In der Phantasiesprache Gromolo kündigten Scharf und Fischer das Stück an und verbanden den Auftakt mit einem großen Dankeschön an die Gruppe „für die einzigartige, kreative, wunderbare Zusammenarbeit“.

„Zottelhaube“ ist ein skandinavisches Märchen mit allen genretypischen Zutaten, die die Darstellerinnen wunderbar respektlos ironisierten. Es gibt eine Königin, die erst keine und dann zwei Kinder bekommt, von denen das eine hübsch, das andere hässlich ist; einen König, der an seinem Sohn verzweifelt, denn der Prinz möchte Bauer werden, oder – noch lieber, noch schlimmer – Tänzer, was er mit aparter Fußhaltung unterstreicht; und dann sind da noch die Trolle, die in wüstem Kauderwelsch ihr Unwesen treiben und wie Derwische über den Boden fegen.

Nicht einmal vier Tage hatte die Truppe unter Anleitung von Len Shirts und Franziska Braegger Zeit, ihre Ideen zur Bühnenreife zu bringen. Ob Text, Kostüme, Licht oder Requisite: Alles war selbst erdacht, aber nichts mit heißer Nadel gestrickt. Auf der Bühne wurde gestritten, geheult, gelacht und getobt, dass es nur so krachte. Es gab eine Live-Geburt, einen bösen Zauber und eine Seereise. Aus grünem Tuch drehten die Spielerinnen flugs die Wanten, der Bug war gekrönt von einer menschlichen Galionsfigur, die tapfer den Mund offen hielt.

Vom Bühnenrand kommentierten – wie in einer griechischen Tragödie – bizarr frisierte Sprecherinnen das Geschehen für den Boulevard: Skandal, Skandal, die Königin wird nicht schwanger. Oder doch? Ist sie depressiv? Wer ist der Vater?

Entgegen der üblichen Lesart, die stets der Prinzessin den Frosch aufbrummt, führte hier der Prinz eine hässliche Braut zum Traualtar. Die aber wurde schließlich immer schöner, zeigte Tatkraft und versprach, dem Königssohn bei der Ernte zur Hand zu gehen. Da jaulten die Trolle ein letztes Mal auf. Super Ende, super Stück.

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